Gemeinde Rohrdorf

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So war es früher

Rohrdorf wurde erstmalig im Jahr 1285 urkundlich erwähnt. Ausgangspunkt der Entwicklung war die auf einem Geländevorsprung erbaute Burg (heute Rathaus) und Kirche mit einer Mühle, welche die Wasserkraft der Nagold und des heute verdolten Walddorfer Baches nutzte. In den Jahren 1296/1297 fasste der Johanniterorden in Rohrdorf Fuß. Die Residenz der Johanniter war die "Komturei". Die "Komturei" wurde vermutlich um ca. 1430 erbaut und war das Schloss des jeweils amtierenden "Komturs". Der Komtur war ein adliger Ritter, zugleich geistlicher und weltlicher Herrscher in der Gemeinde. Früher wie heute sind unter dem Dach der "Komturei" die evangelische Kirche, die katholische Kirche und das Rathaus vereint. 

Rohrdorf und die Johanniter

Rathaus
Rathaus

Das historische Rathaus und die Johanneskirche(n) in Rohrdorf: Eines der markantesten Gebäude in Rohrdorf und zugleich der Ortsmittelpunkt ist die denkmalgeschützte Johanniter-Komturei, welche aus der Johanneskirche und dem historischen, schön restaurierten Rathaus, besteht. Die Komtureigebäude werden heute von der bürgerlichen Gemeinde (Rathaus, Bürgersaal, Backhaus, Vereinsraum) und den beiden Kirchengemeinden (Evangelische Kirche, Katholische Kirche und Katholischer Gemeinderaum) genutzt. Die aus zwei Ordenshäusern bestehende Anlage mit ihren historischen Wandmalereien ist ein hervorragendes Zeugnis spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Baukunst und steht deshalb unter Denkmalschutz.  

Sie werden nun fragen: Was ist eine Komturei? 
Komtureien (auch Kommenden genannt) waren die kleinsten selbständigen Verwaltungseinheiten des ursprünglich in Jerusalem beheimateten Johanniterordens. Jeder Komturei (Kommende) stand ein adliger Ritter vor, der sog. "Komtur". Mehrere Jahrhunderte lang bestimmte der Johanniterorden mit seiner Kommende / Komturei sehr stark das Geschehen und die Entwicklung in Rohrdorf. Bereits im Jahre 1297 hatte der Johanniterorden einige Grundstücke in Rohrdorf erworben, 1309 schenkte dann Albrecht von Wöllhausen den ganzen Ort samt Mühle dem Ritterorden. Der bekannte Komtur Johannes von Weitingen ließ auf den Fundamenten älterer Gebäude im Jahre 1430 die heutige Komturei errichten. Insgesamt hatten seit dem Jahre 1297 31 Komture die Geschicke des Johanniterordens in Rohrdorf geleitet und geprägt. Erwähnenswert ist eine Vereinbarung aus der Zeit der Reformation, die bis heute nachwirkt: Im Jahre 1568 gestand der damalige (katholische) Komtur der protestantischen Mehrheit vertraglich die Mitbenutzung des grossen Saales für Gottesdienste zu.
 

Innenansicht Komturei
Innenansicht Komturei

Daraus entstand die seltene Regelung (welche in veränderter Form heute auch noch gilt), dass ein Kirchengebäude zwei Konfessionen beherbergt. Der eine Teil der Johanneskirche (ehemaliges sog. "Schiff") wird von der Evangelischen Kirche und der andere Teil (ehemalig sog. "Chor") von der Katholischen Kirche als Kirchengebäude genutzt. Der Kirchturm mitten auf dem Kirchendach ist nach wie vor gemeinsam und durch eine historische Regelung zu je einem Drittel der Evangelischen Kirche, der Katholischen Kirche und der Bürgerlichen Gemeinde zugeordnet. 

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Komturei mehrfach den Besitzer. Teile des ehemaligen Johanniterbesitzes und der Komturei konnte die Gemeinde Rohrdorf bereits im vorletzten Jahrhundert erwerben. Weitere Teile befinden sich im Eigentum der Evangelischen bzw. der Katholischen Kirchengemeinde. 1987 bis 1990 wurde der bürgerliche Teil der Komtureigebäude vollständig renoviert und teilweise nach alten Plänen und Urkunden rekonstruiert, diese Gebäude sind auch heute das Rathaus der Gemeinde Rohrdorf. Das Kirchendach, die Außenfassaden und der Turm der Johanneskirche wurden im Sommer 2000 renoviert und saniert, so dass das gesamte Gebäudeensemble der denkmalgeschützten Komturei wieder in neuem Glanz erstrahlt und auch in Zukunft den Mittelpunkt - das "Herz" der Gemeinde Rohrdorf bildet. 

(Quelle: "Das historische Rathaus der Gemeinde Rohrdorf", erhältlich beim Bürgermeisteramt Rohrdorf)